Das jüdische Viertel

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Winkelige Gässchen mit einem Pflasterboden aus Flusskiesel, Häuschen in verschiedenen Baustilen erbaut, Kleinsthöfe, niedrige Eingänge, Durchgänge, ein kleines Plätzchen – das jüdische Viertel ist wie eine Stadt im Kleinformat. Es ist das einzige vollständig erhaltene jüdische Viertel in Europa und die einzige jüdische Sehenswürdigkeit von Unesco außerhalb Isaels. Auf diesem winzigen Raum lebten in der Zeit der dichtesten Besiedlung mehr als 1200 Einwohner, die fast sechzig Prozent der Tøebíèer Bevölkerung bildeten. Sie hatten ihr eigenes Rathaus, ihre Armenanstalt, ein Krankenhaus, eine Schule, zwei Synagogen und überall gab es viele Geschäfte und Handwerksbetriebe. Das Leben pulsiert hier auch heute noch. Auf dem Weg können Sie in ein paar Cafes, Weinstuben, Kneipen und Restaurants mit Live-Musik eine Pause machen, in einer Teestube oder Galerie meditieren oder in einer der zwei Pensionen unterkommen.

Ansturm der Juden nach Tøebíè

Die erste Erwähnung über eine jüdische Besiedlung in Tøebíè stammt aus dem Jahre 1338, aber es ist wahrscheinlich, dass sie hier schon mindestens über hundert Jahre früher lebten. Die meisten kamen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie kamen aus der näheren und ferneren Umgebung, dies bezeugen die Namen wie Polák (Pole), Krakauer, Wiener, Lubliner oder Spaniel. In dem abgegrenzten Raum innerhalb Trebic, den sie nicht ausweiten durften, hatten sie bald keinen Platz mehr und fingen deshalb an an die Häuser an- und aufzubauen. Im Jahre 1636 wurde dem Sänger Lébl erlaubt, „dass er sein Häuschen im Garten bauen darf“ und seitdem entstanden mehrere solche Anbauten. Im Jahre 1724 hatte das Viertel schon fünfundneunzig Häuser, die aber unter zweihundertneun Besitzern geteilt wurden. Das Haus „Icigla“ eines reichen Juden war sogar in zehn Teile geteilt. In einem anderen Haus blieb die Küche im Ausmaß ein mal ein Meter erhalten, in der laut der erhaltenen Informationen sechs Wirtinnen kochten.

Die Entstehung des Ghettos

Schon im Jahre 1551 ist die königliche Verordnung von Ferdinand I. in Kraft getreten, dass Juden mit einer gelben Marke gekennzeichnet sein müssen. Es war nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal. Die Juden wurden ständig aus ihren Häusern vertrieben, obwohl sich in Tøebíè solche Verordnungen nicht so stark auswirkten. Dafür mussten sie immer bezahlen. Für den Nachlass der Fronarbeit, das eigene Geschäft, den Friedhof und sogar für das Krankenhaus und den Platz auf dem Markt, auf den sie sehr oft nicht gelassen wurden, zahlten sie doppelt so viel als die Christen. Wenn ein preußisches oder napoleonisches Heer vorbeizog, mussten sie für die ganze Stadt Schutzgeld bezahlen. Das schlimmste war aber, dass sie auch für die Möglichkeit, Kinder zu zeugen zahlen mussten. Laut familiärem Gesetzes, das die Zahl der Juden in der Stadt begrenzte, bekam der älteste Sohn der Familie eine Nummer, für die er 300 Gulden zahlen musste. Nur die Nummerinhaber durften heiraten und Familien, die nur Töchter hatten, waren zum Aussterben verurteilt. Deshalb entstanden auch viele Ehen, die einer Straftat glichen und wurden Kraft des Gesetzes aufgelöst. In diesem Zusammenhang ist die Geschichte von Wolf Schrötter am rührendsten. Er legte jahrelang bei Ämtern seine Proteste gegen die Eheauflösung mit seiner Frau Anna Schulz ein. Im Jahre 1723 verschlechterten sich die Bedingungen noch mehr. Die Christen, die die Häuser mit außerhalb des Viertels lebenden Juden getauscht hatten, mussten aus dem Viertel ausziehen. Es wurde sogar geplant, eine Mauer zu bauen, die die Andersgläubigen von den „ehrlichen“ Christen trennte. Und so entstand das Ghetto.

Das Zusammenleben

Ohne eingreifende Maßnahmen von oben hätten beide Gruppen nebeneinander ganz friedlich zusammen gelebt. In manchen Häusern wohnten Juden gemeinsam mit Christen und in Tøebíè wurden keine Progrome registriert, die es sonst fast überall gab. Unter den Juden, reichen Stadtbürgern und manchen Waldsteiner Familienmitgliedern herrschten enge Beziehungen. Vor allem wenn es ums Geld und Leihgaben ging. Mehr als die Hälfte der Tøebíèer Juden widmete sich dem Handel, trotzdem konnten sich nur wenige als wirklich Reiche bezeichnen. Meistens handelte es sich um Höker, Krämer, Hausierer oder Pferdehändler. Ein guter Erwerb bedeuteten auch Brennereien, von denen es viele gab. Und weil ein Geschäft ohne Kunden wie Schuhe ohne Sohlen ist, kann man vermuten, dass es in den hiesigen Geschäften, die im Erdgeschoss plaziert waren, sehr rege zuging. Als sie im Jahre 1849 endlich gleichberechtigt wurden, sind sie wegen der Arbeit weggezogen und bis zum Zweiten Weltkrieg blieben hier ca. dreihundert Menschen. Die Züge nach Theresienstadt und in die Vernichtungslager fuhren von hier aus im Mai 1942. Es sind nur zehn Personen zurückgekehrt.

Sie sollten sich die Hintere Synagoge (Zadní synagoga) nicht entgehen lassen, die im Jahre 1669 erbaut wurde. Sie können dort ein umfangreiches Modell der jüdischen Stadt sehen, wie sie vor dem Jahr 1850 aussah. Weiter empfehlen wir den jüdischen Friedhof und die Basilika, beide in der UNESCO Weltkultur- und -naturerbeliste eingetragen.

Öffnungszeiten (Zadní synagoga):

Mo - So 9. 00 - 12. 00 uns 13. 00 - 17. 00

Eintritt (Zadní synagoga):

Erwachsene: 40,-
Studenten, Behinderte, Senioren: 20,-
Schulgruppen: 10,-
Kinder bis 6 Jahren frei.

Kontakt:

E - mail: infosynagoga@mkstrebic.cz
Tel.: 568 610 023

Sehenswürdigkeiten UNESCO

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Freizeit

Informationen

Wie kommen Sie hierher
Hotel Solaster
Preis ab: 27.0 € Person/Nacht
Pøidat hotel 
Wissen Sie…

Wissen Sie, dass das Minarett im Parkareal Lednice-Valtice der Bleistifterfinder entworfen hat? Er hieß Josef Hardmuth und gründete die Bleistiftfabrik, die später die Grundlage für die weltbekannte Gesellschaft Koh-i-noor bildete.



Das jüdische Viertel

Der jüdische Friedhof

Hl. Prokops Basilika